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Strategie & Innovation

Richard Sennett: Innovation im öffentlichen Raum

Wie sieht eine demokratische Tür aus? Wie funktionieren die gesellschaftlichen Schleusen in einer komplexen, dezentralisierten modernen Stadt? Mit dieser Frage beendete der berühmte Soziologe Richard Sennett seinen Vortrag über Innovation im öffentlichen Raum an der Kunstakademie in Berlin am 12. September.

Momentan läuft in der Kunstakademie eine Gesprächsreihe zu Kultur und Stadt. Der Vortrag des renommierten amerikanischen Soziologen Richard Sennett mit dem Titel „The Informalization of Architecture – The Open City“ fand in diesem Rahmen statt. Der kurze Ankündigungstext versprach eine Diskussion über die gesellschaftliche Innovation und da ich nun vor kurzem genau darüber mit Ela Kagel, der Kuratorin von Supermarkt-Berlin, gesprochen hatte, wollte ich das Thema weiter verfolgen.

In seiner Rede fokussierte sich Richard Sennett auf die Orte, die Menschen dazu verleiten kreativ und erfinderisch zu werden. Eine gesellschaftliche Innovation ist kein Prozess, der durch Architektur und Technologie initiiert und gesteuert werden kann, sondern er setzt Verantwortung und Eigeninitiative der Menschen voraus.

Flexibile Übergänge

Der städtischen Raum ist ein durch und durch strukturiertes und verplantes Terrain. – Architektur kann einen Ort öffnen und demokratisieren, kann aber auch eng und diktatorisch die Handlungen vorschreiben. Eine Handlung und Interaktion kontrollierende Architektur bremst jegliche Form von Kreativität und Initiative. Daher sollte in diesem Fall der ästhetische Anspruch dem Ziel untergeordnet werden, in dem Raum architektonische Flexibilität zu erschaffen, die Veränderungen und Interpretationen durch die Menschen zulässt. Das Gesamtbild sollte nicht vollständig und perfekt wirken, damit Menschen motiviert werden, die Initiative zu ergreifen.

Nur aus einem Clash der Kulturen heraus – in Momenten der Interaktion zwischen Menschen aus verschieden sozialen und kulturellen Gruppen – entstehen neue gesellschaftliche Ideen. Im städtischen Raum sind das für alle Bürger frei zugängliche ökonomische und kulturelle Orte. /Beispiele aus Berlin wären der Prinzessinnengarten, der Markt am Maybachufer, der Mauerpark/. Diese Orte sind geografische Verbindungselemente, die z. B. verschiedene Bezirke zueinander führen und keine selektive Trennung erlauben. Die Menschen, die sich hier treffen und sich mit diesem Ort identifizieren, verspüren gemeinsam Lust, neue Ideen zu verwirklichen.

Richard Sennett nutzt die Evolutionstheorie als Metapher, um den Zustand dieser Orte zu beschreiben: Es gibt in der Natur keine absoluten, scharfen Trennlinien, zum Beispiel wird ein See durch eine Flachwasserzone mit dem Ufer verbunden und gerade in diesem Verbindungsbereich entstehen neue Pflanzen- und Tierarten.

Fazit

In seinem Vortrag über Architektur entdeckte ich viele Parallelen zum aktuellen Design-Diskurs. Oft wird der Umgebungseinfluss auf die Kreativität gewaltig unterschätzt – dabei geht es in allen Innovationsprozessen darum, besondere Orte zu erschaffen, in denen Menschen mit verschiedenen Positionen und Know-how motiviert sind, durch Reibungen und Gemeinsamkeiten etwas Neues zu kreieren.

Offene Innovation ist prozess- und nicht ergebnisorientiert. Das Management und die Planung solcher Projekte sind nur schwierig mit den konventionellen Organisationsmethoden zu gestalten. Deswegen gibt es so viele „Potjomkinsche Dörfer“ – bei denen die Meinung der Öffentlichkeit oder der potenziellen Nutzer nur sporadisch abgefragt und nicht in die Projekte integriert wird.

In einer wirklich demokratischen Innovation steckt immer etwas Dynamit. Dazu ein Zitat von Marty Neumeier: „How do you know when an idea is innovative? When it scares the hell out of everybody.“ Vielleicht haben wir Angst vor einer wirklich demokratischen Tür und können sie deswegen nicht beschreiben? Richard Sennett meinte, es wäre an der Zeit, hat jemand eine Idee?

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