Zwetana Penova Connecting Design

Strategie & Innovation

Notizen am Rande: Weniger ist mehr… und warum das nicht immer stimmt

Kennt ihr auch dieses Gefühl, dass das Bewerte plötzlich an Wertigkeit verliert? Seit Neuestem rolle ich mit den Augen, wenn eine Konversation mit dem weniger ist mehr-Spruch bereichert wird. Dabei habe ich jahrelang mit festem Glauben an diese Maxime gelebt … und nun so was!

Weniger ist mehr – diesem Spruch begegnete ich zum ersten Mal an der Uni. Es hörte sich richtig an, vor allem, wenn dazu gut fotografierte Corbusier-Bauten gezeigt wurden.

Gepaart mit form follows function wurde weniger ist mehr an den meisten deutschen Hochschulen als Basis guter Gestaltung zelebriert. Wir gestalteten minimalistische Plakate, möglichst groß, möglichst konzeptuell, tranken Tannenzäpfle-Bier und fühlten uns großartig!

Seit Anfang des XX. Jahrhunderts wird im Produktdesign, in der visuellen Kommunikation, Fotografie, Architektur und Mode mit der „weniger ist mehr-Keule“ gewunken. In vielen historischen Fällen – Bauhaus, Ulmer Schule, Mies van der Rohe, und, ja bitte, nichts ohne Dieter Rams – wurde diese Philosophie intelligent und prägnant manifest. In der Designgeschichte der letzten 150 Jahren ist viel passiert, aber die Hoheit des Minimalismus bleibt heilig.

Warum stört mich das? Dieser Spruch ist eindeutlich zu perfekt, fügt sich zu gut in jede Diskussion über das Design ein. Weniger ist mehr wird zu oft als Argumentation, sogar als Ende einer Argumentation in den Situationen verwendet, in denen eigentlich die Perspektive der Nutzer und nicht die ästhetischen Vorlieben der Designer in den Fokus rücken sollten.

Ich möchte dafür plädieren, das Verständnis von gutem Design zu erweitern. An was lässt sich erkennen, ob das Design eines Produkts oder eines Services gelungen ist? In erster Linie daran, wie zufrieden die Menschen mit diesem Produkt sind – wird das Produkt gerne und oft verwendet, ist es selbsterklärend und stringent in der Bedienung, fühlt sich das Produkt genau richtig an für die Zielgruppen? Wenn ja, dann handelt es sich dabei um ein Produkt mit exzellentem Design. Der bloße Fakt der wenigen Funktionen oder eines schlichten Interfaces hat an sich wenig Wert.

Ein gutes Produktdesign gibt dem Nutzer alles, was er braucht, um seine Wünsche und Aufgaben zu erfüllen. Alles und nicht weniger. Die Nutzer brauchen einfache, aber nicht minimalisierte Interfaces. Dazu eine wunderbare Formel von John Maeda, die bei Design-Entscheidungen hilft:

How simple can you make it? <-------------> How complex does it have to be?

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