Zwetana Penova Connecting Design

Strategie & Innovation

Connected-Learning-Online: 8 Empfehlungen für Konzept und Design

Vor kurzem habe ich hier über das Connected-Learning geschrieben – ein pädagogisches Prinzip, das auf interessenbasiertem Lernen in den Peer-Gruppen basiert. Grundsätzlich ist Connected Learning medienunabhändig, jedoch ist es naheliegend, das Internet für den Austausch zu nutzen und damit die digitalen Medien in die einzelne Projekte zu integrieren. Über die Vorteile der digitalen Medien im Lernprozess aus der Sicht des Connected Learning–Modells und über die wichtigsten Design-Prinzipien solcher Plattformen könnt ihr hier lesen.

Vorteile von Connected-Learning-Online

  • Oft sind die gemeinsamen Interessen digital: zum Beispiel Computerspiele oder Online-Comics etc.
  • Die Fähigkeiten, die sich die Lernenden aneignen möchten, beziehen Computer-Programme ein: Fotos bearbeiten, ein Lied mixen, einen Film schneiden etc.
  • Eine Online-Plattform ermöglicht die Begegnung von Menschen aus verschiedenen sozialen und kulturellen Kreisen.
  • Vor allem Jugendliche (Digital Natives) fühlen sich in den Online-Peer-Gruppen geschützt vor der Kontrolle der Erwachsenen.
  • Der Lernende ist zeitlich und örtlich flexibel.

Über die aktuellen Tendenzen des Mobile-Learning habe ich schon einmal in diesem Artikel geschrieben.

Beispiele

Scratch ist eine Programmierumgebung und AustauschplattformScratch ist eine einfache objektorientierte Programmierumgebung, die (nicht nur!) für Kinder konzipiert wurde. Das Tolle daran ist, das dies eine lebendige, internationale Community ist, die ihre Cartoons, Musikvideos, Spiele etc. auf der Plattform zeigt und ihr Knowhow mit anderen teilt. Aus den Kontakten im Forum entstehen kollaborative Projekte: ein Kind schreibt die Story, ein anderes zeichnet die Charaktere, ein Animationsprofi kümmert sich um die Bewegung und ein weiteres Kind schreibt Sounds dazu. In solch einer Situation erwerben die Kinder nicht nur rein fachliche Kompetenzen. Die so genannten „Soft-Skills“ kommen ebenfalls nicht zu kurz.

Die weiteren überzeugenden Beispiele von Connected Learning, wie z.B. Harry Potter Alliance oder die Bibliotheks-Projekte von YouMedia, verbinden Aktivitäten vor Ort mit digitalen Lern- und Kommunikationskomponenten. Was mich besonderes begeistert, ist, wie einfach und einladend die digitale Elemente wirken. Zum Beispiel nutzt YouMedia eine freie soziale Media-Plattform namens iRemix. iRemix befindet sich noch in der Beta-Phase und ist eigentlich dafür gedacht, Schulen und soziale Projekte zu unterstützen.
Durch digitale Medien gelingt es, die schulischen (institutionellen) Aktivitäten mit den Hobbys direkt zu verbinden. Zahlreiche Projekte der Harry Potter Alliance finden auch in Schulen statt und werden dann nachmittags weiter verfolgt. Für die Kinder und Jugendlichen, die an der Schule wenig Interesse zeigen, sehe ich eine besonders große Chance, durch digitale Interessengruppen wieder Freude am Lernen zu finden.

Acht Design-Prinzipien

Diese Empfehlungen für das Konzept und das Design sind bei der Analyse verschiedener Lernplattformen und aus Gesprächen mit Lernenden entstanden.

1. Bezieht die sozialen Medien mit ein

Für die Lernenden ist es wichtig, innerhalb dieser Plattform eine eigene Identität aufzubauen, um Menschen mit gleichen Interessen und Anliegen in einer großen Gruppe zu begegnen. Menschen möchten über sich erzählen und etwas von den anderen aus der Gruppe erfahren können. Die Möglichkeit, eigene soziale Medien als Visitenkarte in die Plattform zu integrieren, hilft dabei. Sara Roegiers aus meiner Lerngruppe nennt als Beispiele für solche kurativen Web-Applicaitons etwa Pinterest und Scoop.it, die über die Interessen und Lebenswelten der Menschen erzählen und eine Bindung innerhalb einer Peer-Gruppe aufbauen.

2. Integriert die offenen Lerntools

Ein Online-Lernprozess erfordert am Anfang viel Konzentration – es geht nicht nur darum, neue Inhalte zu erlernen, sondern auch die Lernumgebung, ihre Regeln und Logik zu verstehen. Deswegen ist es sinnvoll, zu den verbreiteten Tools zu greifen, die die meist Menschen schon kennen – z.B. Wikis, Blogs, Dropbox etc.

3. Achtet auf die Formulierungen und Begriffe (Wording)

Titel, Überschriften, Auszeichnungen, Abkürzungen etc. sollten verständlich formuliert werden, ein Glossar innerhalb des Kurses erklärt die wichtigsten Begriffe. Auch hier möglichst viel „Gelerntes“ nutzen – neu erfundene Bezeichnungen, nicht konforme Zusammenhänge zwischen Funktion und Inhalt nur sehr sparsam und überlegt anwenden.

4. Setzt auf Lesbarkeit

Klare typographische Hierarchien, die konstant innerhalb des Kurses verwendet werden.Die Paragraphen sind möglichst kurz zu halten, auf den digitalen Devices kann der Leser besser mit kleinen Textblöcken arbeiten. Auf die Farbdarstellung verstärkt achten – viele Signalfarben haben in den interaktiven Medien eine Interaktionsbedeutung. Klassiker sind die Farben Rot oder Blau, darunter wird meistens ein Link erwartet. Bei der Farbauswahl darauf achten, dass die Darstellung auf verschiedenen Monitoren stark variiert.

5. Geht sinnvoll mit Piktogrammen, Icons und anderen visuellen Elementen um

6. Ähnlich wie beim Wording kann man auch hier mit erlernten visuellen Elementen aus der Online-Welt arbeiten. Dabei verstärkt auf die interkulturelle Bedeutung achten. Die meistens Moocs sind international. Die Herausforderung dabei ist, eine visuelle Sprache zu finden, die in verschiedenen Kulturen verstanden und akzeptiert wird. Der Klassiker: ein Schweinchen als Sympathieträger wird nur in wenigen Ländern akzeptiert.

Man sollte für verschiedene Lerntypen unterschiedliche Zugänge zu den Inhalten anbieten (Mehr über Lerntypen in diesem Artikel

7. Unterstützt Feedback-Kultur

Gerade bei Online-Aktivitäten spielt das schnelle Feedback von Mentoren / Peer-Gruppen eine wichtige Rolle. Es motiviert die Menschen zu erfahren, wie ihre Ergebnisse ankommen und warum das so ist.
Auch die Möglichkeit der Selbstreflexion für die Gruppen spielt eine große Rolle: „Was haben wir erreicht? Welche Themen habe ich wie gut hinter mich gebracht? Was soll noch wiederholt werden?“ Solche Fragen helfen, den Lernprozess zu strukturieren und sich in ihm zu orientieren.

8. Ladet zum Austausch ein

Möchte man die Menschen dazu gewinnen, sich auf der Plattform lang und nachhaltig auszutauschen, dann ist es wichtig, eine positive, vertrauensvolle Kommunikation zu schaffen. Die Lernenden sollten nachvollziehen können, nach welchen Kriterien und zu welchem Zweck bestimmte Entscheidungen, z.B. die Zusammenstellung der Lerngruppen, geschah. Gleichzeitig ist es immer gut, das Wechseln von einer zur anderen oder das Bilden einer eigenen Gruppe zu ermöglichen.

Fazit

Lernen online gewinnt an Bedeutung und wird Realität. Das verändern nicht nur unsere Erwartungen an die Didaktik der Online-Medien, sondern auch an die Qualität der Gestaltung. Während wir noch vor 5 bis 10 Jahren Online-Lernangebote als zusätzliche Informationen empfunden haben, werden heute zahlreiche Lernprodukte ausschließlich online angeboten. Die Aufgabe der Informations-Architekten, Interaktionsdesigner und Konzepter ist es daher, die Vorteile von solchen Services als positives Erlebnis für die Nutzer zu gestalten.

Die 8 Prinzipien aus diesem Artikel sollen erste Anhaltspunkte dafür geben.

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