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Re:publica 13 : Wo kann ich das Lernen lernen?

Mein persönliches kleines Re:publica-Highlight waren 2 Vorträge auf der Bühne 6 am Tag 3. Lisa Rosa und Jöran Muuß-Merholz – zwei Leitfiguren in der Bildungsdiskussion – haben in knappen Reden ihre Pointen zum Ist-Zustand des digitalen Lernens vorgestellt. Subjektiv, bodenständig und ohne erhobenen Zeigefinger haben sie gute und schlechte Aspekte aufgezeigt. Über die guten hat Lisa Rosa berichtet, die schlechten hat dann Jöran vorgestellt.

Gutes Lernen

Die gute Nachrichten zuerst: Befreien wir das Lernen vom Schulgebäude – und schon können wir über das Lernen als Prozess sprechen. Das tat Lisa Rosa in ihrem Vortrag und verwies zunächst darauf, dass eine Lerninstitution und das Lernen nicht immer Synonyme waren. Sie betrachtete den Lernprozess in einem kulturhistorischen Kontext und sprach darüber, wie wichtig es ist heute, lernen zu lernen. Das bedeutet, Inhalte erfassen, kombinieren und kommunizieren zu können. Lernen im 21. Jahrhundert, so verstand ich die Aussage, beginnt mit der Frage nach dem Sinn und Zweck des Lernens, nur dann kann der “Stoff” wirkungsvoll angeeignet werden.

Denn Wissen, das nicht im Umlauf ist, ist schon vergessen, stellte Martin Lindner fest, und Lisa Rosa forderte alle auf, ihr Wissen zu teilen, zu teilen und zu teilen und das in unserem kulturhistorischen Kontext, also auch mit den digitalen Tools, die uns zur Verfügung stehen. Sie beschriebt drei wichtige Stationen, die eine persönliche Lernumgebung gestalten:

Sammeln und verarbeiten

  • Feed-Reader
  • Evernote
  • Dropbox
  • Social Bookmarking

 

Vernetzen, teilen, zusammenarbeiten

  • G+
  • Facebook
  • Twitter
  • Google Drive

 

Produzieren

  • Blog
  • Wiki
  • Slideshare
  • Prezi

 

Die wichtigste Aussage aus diesem Vortrag: Lernen & Leben sind heute nicht mehr zu trennen.

Schlechtes Lernen

Jöran hat in seinem Vortrag mit dem Ist-Zustand des digitales Lernens an Schulen und Hochschulen abgerechnet. Schon mit seinem Vortragstitel erklärte er das Experiment mit dem Lernen 2.0 für gescheitert „x-learning. Warum die Digitale Revolution des Lernens gescheitert ist“ und legte seine Beweise vor. Die Liste der leeren Versprechen war beeindruckend:

Massive Open Online Course

Die hochgelobten MOOCS erreichen nicht, wie gehofft, die Benachteiligten, sondern werden von weißen, männlichen Akademikern genutzt. Die Video-Vorlesungen mit Multiple-Choice-Abfragen der Inhalte haben wenig mit kooperativem Lernen gemeinsam. Die Vision des gemeinsamen Lernens in den Peer-Gruppen erweist sich in der Realität als leeres Forum.

Eigentlich www…

Das Internet als Lernmedium in der Schule findet aus mehreren Gründen nicht statt. Zum ersten gibt es immer technische Schwierigkeiten, die dazu führen, dass das Netz ausfällt / zu langsam ist, den Computern fehlen Updates, Programme etc. “Eigentlich sollte es funktionieren, aber gerade …” Das Wort “eigentlich” ist der ständige Begleiter des Prozesses, Online-Technologien in die deutschen Schulen zu integrieren.

Achtung www!

Zum Zweiten bringt das Internet zu viele Gefahren mit sich – hat man den Netz, so ist es schwierig, die Aktivitäten der Kinder und die Inhalte zu kontrollieren. Also werden die Handys der Kinder eingesammelt und ein Facebook-Verbot auf dem Schulhof ausgesprochen. Sicher ist sicher!

Digitales Schulbuch

Nun gibt es seit einem Jahr die so sehnlich erwarteten digitalen Schulbücher … und da steckt noch viel Verbesserungspotential. Was der Lehrer und der Schüler bekommen, so die Expertise von Jöran, ist ein begrenztes, ungelenkes Format. Die Bücher funktionieren nur auf dem PC, die Nutzung ist personalisiert und ob off- oder online, immer wieder gibt es technische Probleme zu überwinden. Visuell versuchen die digitalen Bücher mit einem Retrocharme die Nutzer zu überzeugen – man sieht gleich, dass die Inhalte für Print konzipiert und gestaltet wurden.

Die wichtigste Aussage: Es gibt noch sehr viel zu tun, wenn wir die Schule als Ort der vernetzten Wissensvermittlung erleben möchten.

Die Konsequenz

Lisa Rosa hat uns erläutert, dass die Skills des 21. Jahrhunderts jene sind, die das Lernen als ständigen Prozess in das eigene Leben integrieren. Die digitalen Medien sind dabei sehr nützlich, um ein eigenes Lernnetz aufzubauen und das ständig zu erweiternde Wissen in die konkreten Projekte zu stecken. Bevor wir in der Lage sind, so selbstverantwortlich zu agieren, brauchen wir Erfahrungen darüber, wie das Lernen an sich funktioniert. Lernen zu lernen! Kinder sind von Geburt an in einem Lernmodus, der auch in der Schule weiterhin stimuliert und erweitert werden sollte – und das im heutigen kulturhistorischen Kontext.

“The grass is always greener on the other side” – die vorgestellten Beispiele aus anderen Ländern können nerven, aber auch beruhigen. “Geht doch” – dachte ich erleichtert, als Andreas Schleicher von der OECD wunderbare Beispiele der medialen Integration in den Unterricht aus Malaysia zeigte.

PS: Leider wurden die Vorträge von Lisa Rosa und von Jöran Muuß-Merholz nicht gefilmt. Der Vortrag von Lisa Rosa kann auf ihrem Blog nachgelesen werden. Der Vortrag von Jöran wird demnächst bei der Open-Mind Konferenz aufgezeichnet und ins Netz gestellt.

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