Zwetana Penova Connecting Design

Strategie & Innovation

Rapid Prototyping – ein Plädoyer dafür, mit den Händen zu denken!

Wo liegt der Schlüssel zur richtigen Lösung? Im Verständnis des Problems. Klingt logisch, bereitet aber vielen klugen Köpfen große Schwierigkeiten: Die komplexen Zusammenhänge und vielseitigen Einflussfaktoren lassen die Problemschilderung oft unscharf wirken. Was passiert, wenn das Problem / die Aufgabe nicht im Text, sondern in einem Prototyp festgehalten wird? Bericht eines vielversprechenden Experimentes.

Ich hatte schon immer etwas für extreme Sportarten übrig – nun sitze ich im Beta-Haus in Berlin und habe nur noch 10 Minuten, um das Problem, an dem ich heute arbeiten möchte, aus Papier, Lego, Karton oder aus Knete zu visualisieren. Coach Anastasia Gramatchikova erprobt ein neues Workshop-Format, in dem im Gegensatz zum gängigen Design-Thinking-Prozess das Prototyping nicht als iterativer Schritt nach der Ideenfindung auftritt, sondern eine führende Rolle einnimmt.

Prototyp

Ein Prototyp ist ein Vorab-Exemplar, das auf verschiedenen Wegen das Endprodukt simuliert. Es kann beispielhaft zeigen:

  • wie das Endprodukt aussehen wird
  • wie es sich anfühlen wird
  • wie es funktionieren
  • welche Touch-Points es mit den Nutzern geben könnte
  • etc.

Die technische Ausarbeitung variiert dabei von schneller Ideenerklärung auf Papier oder aus Lego (rapid prototyping) bis zu aufwendig gestalteten und / oder funktionsfähigen „high-end“ Prototypen.

 

Ein paar Fakten aus der Geschichte

  • Die wohl bekanntesten Prototypen alle Zeiten sind die Flieger-Zeichnungen von Leonardo Da Vinci.
  • Die Vorab-Exemplare, welche Funktions- und Ästhetikvorstellungen der potenziellen Käufer vorab testeten, gab es, wie etwa Tonmodelle bei antiken Töpfereien belegen, schon eine Weile vor Leonardo.
  • Erst mit der Industrielle Revolution wird die Prototyp-Erstellung als Arbeitsschritt in den Prozess der Produkterstellung integriert.
  • Das Testen der Entwürfe in realer Alltagsumgebung mit dem Fokus auf den Bedürfnissen der Menschen war ein fester Bestandteil der Designlehrer am historischen Bauhaus.
  • Heute findet das Prototyping in den verschiedenen Stadien der Produktentwicklung statt. Schon die ersten Ideen werden, zum Beispiel in Design-Thinking oder SCRUM, schnell und kostengünstig umgesetzt, evaluiert, umgebaut, verworfen und wieder getestet. Die Ziele sind: die Nutzerbedürfnisse nicht zu verfehlen, Kosten zu schonen und agil zu bleiben.

denken = machen

Zurück zu dem Workshop. Die Idee, das Prototyping nicht für die Lösung, sondern gleich für die Aufgabenbeschreibung zu nutzen, soll, so Anastasia, die Menschen aus den gewohnten Denk- und Handlungsstrukturen herauslocken. Wir sind es gewöhnt, die Probleme mit Wörtern zu beschreiben, und das hindert uns daran, die „Jetzt“-Situation als Gesamtbild zu betrachten. Durch die zufällige Auswahl der Materialien, die Haptik der Gegenstände, die Farben und Räumlichkeit verlassen wir schnell das Analytische und fangen an, über die Probleme bzw. über die Aufgaben in Bilden und Metaphern zu denken. In einem solchen flow-Zustand gestaltete Modelle helfen in erste Linie sich selber sowie den anderen, das Problem als eine prägnante Geschichte zu erzählen. Das Modell kann aus verschiedenen Perspektiven betrachtet werden und lässt viele Interpretationen zu. Wir betrachten unsere Konstruktionen aus verschiedenen Ecken, drehen sie um und kommen wieder ganz nah – die Aufgabe, die ich mir für den Workshop gestellt habe, ist real und wartet darauf, transformiert zu werden!

Die weiteren Schritte des Workshops – Feedback, Point of View, Ideation und die neue Lösung – sind an die Design-Thinking-Schritte angelehnt, nur dass wir weiterhin konsequent mit Prototyping arbeiten.

Das habe ich gelernt

  • Prototyping als Hauptprinzip eines Workshops versetzt Menschen in einer sehr aktive Macher-Rolle.
  • Prototyping hilft besser als bloße Visualisierung, ein Problem / eine Aufgabe zu begreifen.
  • Das Feedback der anderen zu dem Problemprototyp hilft enorm, eigene Gedanken und Emotionen zu hinterfragen.
  • Es ist ein tolles Gefühl, am Ende zwei Prototypen miteinander zu vergleichen: die Aufgabe und die Lösung. Die Transformation ist deutlich und nachvollziehbar.

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